Liebeslyrik - Liebesgedichte - Liebespoesie

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foto: vkd
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Samstag, 1. Dezember 2018

LIEBESGESCHICHTE

Ich raste, preisgegeben im urbanen Mahlstrom,
fand dich, endlich. Die Sterne, auf die wir sahen,
entstammten antipodischen Universen. Du suchtest
den Mann und ich die Frau. Tanzen wollten wir.

Im gleißendem Licht aufsteigender Träume
berauscht, trafen wir uns, schmerzvoll zärtlich,
gierig, wild, tauschten wir das, was als Liebe
wir erdachten: Lächeln, Ohren, Küsse, Körper.

Der Wunderlampe ungestillter Sehnsüchte entwich
der Djinn. Erfüllte Begehren, doch Dämon bleibt
Dämon. Im Licht der Träume stiegen Schatten
empor, leckten höhnisch Lippen der Vergangenheit.

Anfänglich tanzten wir Tango, dann Tarantella.
geblendet in fanatischer Suche nach Wahrheit,
kämpften wir an unserer Heimatfront, verbaselten
die Tage, ignorierten das Licht in den Augen, das

Aus den Herzen aufschien, bis es verblasste.
Gefangene in uns selbst, in kriegerischer Pose,
schliefen wir ein in unseren Rüstungen. Hatten
wir doch so viel zu tun, waren wir doch Besessene.

Besessen von heiligen Bedeutungen, von heiligen
Urteilen, von heiligen Meinungen, von heiligen
Erinnerungen. Ob wir auch fast ertranken im Sturm
der Eitelkeiten, ob wir klammerten oder fremde Wege

Suchten, stetig rief es aus des Egos Kräften: Ichichich.
kein Wir vermochten wir so auf die Welt zu bringen.
Irgendwann knieten wir, knieten endlich, knieten an
der Quelle unsäglichen Schmerzes, verloren, heimatlos.

Geblendete waren wir, geblendet vom Unheil der
Welten in uns, und um uns herum, sprachlos, mit
eiskalter Haut. Angespült ans Ufer, in einem seligen
Augenblick tränenleerer Stille, erkannten wir uns.

So erblickte ich Wahrheit: Plötzlich fand ich sie, jene
Unschuld des Herzens, die in dir pochte. Die tief
mich berührte, jene Unschuld, hinter all dem Schmerz
und Leid, hinter all den Dämonen des Vergangenen.

So ist es jene Unschuld des Herzens, die aufscheint in
jedem Blick, in jeder Umarmung, jedem Lächeln deiner
Augen. So ist es jene Unschuld des Herzens, die neu in mir
erwacht. Jetzt tanzen wir, den Tanz der unschuldigen Herzen.

foto: vkd

Samstag, 10. September 2016

HONIG

Als Kinder kletterten wir zwischen
den Steinen der alten Ruine. Dort oben,
weit über der schäumenden Stadt,
verbargen wir uns, versteckten uns
vor der weiten, grenzenlosen Welt.

Spielten unter dem Turm, der hier in
fernen Zeiten sich erhob. Dichteten
tragische Dialoge vom Prinzen und
seiner Prinzessin, die sich in das Glück
unvergänglicher Liebe träumten.

Dann wurdest du Frau und ich Mann
und wir beide Liebende in der Freiheit
eines Sommers. Als abendrot der Himmel
in Flammen aufging, wurden wir Himmel,
erkannten uns und unseren Traum von Liebe.

Erkannten uns in der Gestalt von Engeln,
dort auf dem Berg über der Stadt, und Engeln
gleich schmeckten wir die Süße der Liebe. Das
letzte Licht des Tages tauchte deine Haut in
jenes Rot, das die ganze Welt in Feuer versenkt.

Im Schein des Honigmonds, unter dem Vorhang
glitzernder Sterne, liebten wir uns, fassungslos
unter diesem Himmel. Das Firmament war uns
Zeltdach, die ganze Welt ein Campingplatz,
die einzigen Gäste schienen wir beide zu sein.

Später verlorst du tragisch dich und dein junges
Leben im alten Wagen auf der neuen Autobahn.
Dein Herz und meines, fassungslos geborsten.
Doch tief in meinem Innersten lebt die Süße
fort, einem Honig gleich, der niemals verdirbt.

Foto: Pixabay

Donnerstag, 1. September 2016

BESESSEN

Es gibt Zeiten, da bist du kleines Mädchen,
und Zeiten, da bist du ganz Frau. Es gibt
Zeiten, da bist du Schatten, Zeiten, da bist du
Licht, das in allem aufscheint, alles beglänzt.

Manche Gebärde, so anmutig wie der Tanz
deiner Hände, verzaubert mein Wolfsherz.
Doch eine einzige Geste enthüllt die ganze
Wahrheit, die zwischen uns ihre Fäden webt:

Wenn du dein Haar zu einem Knoten
formst, Geliebte, deinen Aphroditenhals
entblätterst, schenkst du ihm und mir
Licht. Die verlorenen, die widerspenstigen

Haare in deinem Nacken erden diesen Anblick
ins Greifbare. Besessen bin ich, du Schöne,
von diesem Anblick. Enthüllt er nicht dem
dem Blick des Liebenden die ganze Schöpfung?

Wenn Gott solche Schönheit erschuf, ist
dann alles andere nicht ebenso schön, was er
geschaffen hat? So wird jeder Augenblick
begnadet, im Anblick dieser Schönheit zu sein.


Freitag, 22. Januar 2016

TANZE DIE LIEBE

Schau, die Gedanken, sie tanzen, tanzen im Kreis,
immer im Kreis, ohne Fehl, ohne Tadel, im Kreis des
Wichtigen, bin ich gut, bin ich Mann, bin ich besser,
Terapp, Terapp, immer im Kreis. Sieh, sieh die Frau
in deinen Augen, bin ich schön, bin ich schöner,
Galopp, Galopp, lausche, höre das stumme Lied auf
ihren Lippen, tanze, tanze mit ihr, tanze mit mir, tanze.

Liebe, mach Liebe mit mir, Liebe auf dem Weg,
auf dem Weg der Gedankenstille, tanze Liebe,
tanze Liebe im Rhythmus, im Rhythmus des
Nichtigen, im Rhythmus der Wahrheit, der Wahrheit
des Augenblicks, liebe, mach Liebe mit mir, liebe
das Nichts, das nichts hält, das nichts ist, das nichts
sein will, nichts werden will, nur ein Tropfen, der fällt.

Tropfen sind wir, die fallen, tanzen den Tropfen, der fällt,
tanze, du Schöne, du schönster aller Tropfen, tanze
deine Wahrheit, deine Tropfen-Wahrheit, atemlos, tanze
die Liebe mit mir, die Eintagsliebe, die Liebe des Augenblicks,
der ganz und gar ist, der alles ist, der nichts hält, der
nichts zurückhält, ein Tropfen vom Himmel, ein Tropfen
des Himmels, von dem wir fallen und in den wir zurück finden.


Freitag, 11. Dezember 2015

MANN UND FRAU

Eines Tages erkennen wir,
erkennen wir uns, unvollendet,
in der unvollendeten Symphonie der Lust,
erkennen wir uns, hitzig,
unter der hitzigen Decke der Liebesschwüre,
erkennen wir uns, entzaubert,
in den salzigen Tränen entzauberter Eitelkeit.

Eines Tages erkennen wir,
erkennen wir uns, behutsam,
in der behutsamen Umarmung vor geborstenen Spiegeln,
erkennen wir uns, unverhohlen,
im sorglosen Blick eines unverhohlenen Begehrens,
erkennen wir uns, wohlig,
wie die Wellen im Sand der Zellen sich wohlig verströmen.

Eines Tages erkenne ich ihn wieder,
erkenne ihn in dir, so wie du ihn in mir erkennst:

Jenen seligen Augen Blick friedvoller Liebe,
grenzenlos, still, heilig, jener liebende Blick,
aus dem die Jahrmillionen aufscheinen,
in dem Mann und Frau sich erkennen.

Sich erkennen mit den Wellen, mit Bergen,
Wäldern, mit Sonne und Mond, wie jede Zelle,
wie jedes Universum in Stille ihn atmet:
den Atem der Liebe, die heimlich wir sind.


Donnerstag, 23. Februar 2012

GESTE

Erst ein trauriges Lachen, das sich im Kreise
dreht, verbissen auf der Jagd nach egophilen
Verpackungsträumen der Postmoderne, dann

ein trauriges Lachen auf der Bühne des falschen
Lebens, dann ein Taumeln im Sommerlicht
der Sehnsucht, ein Lächeln, das sich umarmt

wie nur Liebende sich umarmen. Du und ich.
Ein ekstatischer Schmetterling taumelt ganz
und gar im Blütenmeer des einzigen Sommers.

Ich nehme sie wahr, die Sonne, den Wind, die
Bewegung, die deinem Blick eine andere Richtung
gibt. Sie sagt mir alles. Eine Geste, die taumelt,

eine Geste ist ein ekstatischer Schmetterling
eines Sommertages, eine Geste enthüllt alle
Geheimnisse deines Geschlechts. Eine Hand,

ein Blick, eine einzige einzige einzige Geste,
in der alles aufscheint, Leben, Anmut, Frau,
das Ewige, das Vergängliche, Phylogenese

und die Vollendung der letzten Symphonie
der Liebe, die Erleuchtung des Augenblicks
und die ganze Wahrheit, die das Herz enthüllt.

(s)

Sonntag, 27. März 2011

GNADE

Kannst du die Stille in der Brandung hören,
das Dunkel im Regenbogen erkennen?
Kannst du mein Herz sehen, wenn du in
meine Augen schaust? Kannst du den
Himmel erahnen, wenn wir in Liebe fallen?

Auch wenn du nicht das fühlst, was ich fühle,
auch wenn du nicht das siehst, was ich sehe,
so bist du doch die Frau, die ich gewählt
habe unter allen Seelen im Himmel. Freudig
lausche ich der Poesie deines Lebens in

andächtiger Stille, streiche über dein Haar,
flüstere dir zärtliche Worte ins Ohr. Den
Garten dieser Liebe pflege ich sorgsam
mit jedem Blick meines Herzens. In deinem
Gesicht biegt sich zart ein Regenbogen, den

nur ich sehen kann, so wie ich die Stille hinter
deinen Worten höre. Jetzt bedarf es keiner
Erklärungen für das süße Sehnen, das in mir
strömt angesichts eines einzigen tiefen Blicks
in deine Augen. Die Gnade der Liebe ist Stille.

(m)

Donnerstag, 28. Oktober 2010

BLÜTENZAUBER

Zauberin du, du mit deinen tiefen Blicken,
du mit deiner zarten, heißen Haut, du mit
deinen wilden Küssen, dem Leib, der vorwärts
treibt, Rahsegel im Wind, der Horizonte öffnet
dem Herzensblick. Du Sanfte, welche dem

Harten nicht weicht, mit ihm verschmilzt und
sich bewegt in einem Tanz ohne feste Schritte!
Tanze mit mir, mit Leib und Seele, Geliebte,
schenke dich mir, ganz Frau, begnadet,
wieder und wieder, so neu und so vertraut.

Die Blüte zwischen deinen Schenkeln, öffne
sie ganz, verzaubere mich mit ihrem feuchten
Glanz, zieh mich hinein, tief, ganz tief, dort
versinken will ich in dir, für einen seligen
Augenblick, wieder und wieder, umarmen, alles.

Nichts ist wie gestern und nichts wie heute
und nichts wie morgen. Wenn ich in dir bin,
in sanftem oder wilden Tanz der Liebe, dann
sing mit mir, Hymnen der Lust. In deinen Augen
finde ich dich nackt in archaischem Erkennen.

Wenn ein Zittern aufsteigt in mir, dies stille
Strömen, wenn Lava nach oben drängt, die
pocht, die steigt, zerfließen alle Gedanken wie
glühendes Glas; gnadenlos in ihrer Schönheit und
Gefährlichkeit, zerschmelzen die Zeiger der Zeit.

Das Ich, ein Tennisball, hin- und her geschlagen
vom Meister der Asse, auf den Gipfeln der Lust.
Ein Spiel vor leeren Rängen, denn niemand
spielt eine Rolle mehr, nur du bist da und da
bist du, du mit deiner Wahrheit so nah, ganz: nah.

(s)


Dienstag, 19. Oktober 2010

WIE DU

Wäre ich eine Katze, dann möchte ich eine
sein wie die auf deinem Schoß. Mit jenem
Schnurren, jenen unverhohlenen Lauten der
Lust, dem eingelösten Glücksversprechen
eines ganzen Lebens. Mit den Krallen, die da
sind wie ein Warnschild, doch nicht vernichten.

Wäre ich ein Einhorn, dann möchte ich jenes
sein, von dem du träumst. In jenem Land der
magischen Märchen, in dem das Gute das Böse
besiegt und eine Prinzessin mit Schwertern, mit
Pfeil und Bogen kämpft, gegen Lindwürmer und
Bösewichte, für das Gute und ihres Volkes Wohl.

Wäre ich ein Schiff, dann möchte ich eines sein,
auf dem du stehst. Ich würde dich heil um alle
Klippen schiffen, durch alle Stürme begleiten,
durch alle Untiefen führen, ohne zu zerbrechen.
Alle Abenteuer würde ich bestehen mit dir in
Nähe und Ferne und auch den Hafen verehren.

Wäre ich eine Frau, dann möchte ich eine sein
wie du eine bist. Mit jenen weichen Formen von
Leib und Seele, die sanft oder wild sich meinem
Drängen entgegen biegen, wie das Wasser der
Hand des Dürstenden in der Wüste. Köstlich
bist du, Geliebte, köstlich wie das Wasser.

(m)

Sonntag, 12. September 2010

FADEN

Und es war, was es war, und wurde.
Über die Oberfläche der Kimchisuppe
sperrte sich ein Stück Intimität zwischen
die Speichen meiner Rastlosigkeit.

Naseweis staksend, unstet, abwesend
und doch da, bei, mit dir, so manches
ganz und gar zu sagen, entglitten
Worte und Suppe fahrigen Lippen.

Und es war, was es war, und wurde.
So ruhig und ganz, war unser
Schweigen leicht, öffnend wie Worte.
Ein wenig sprachen wir über Liebe

in unserem Leben gestern und über
manche Schatten im Nebel dieser
Erfahrungen. Sushi und schweifende
Schritte ins Gestern und Morgen.

Und es war, was es war, und wurde.
Meine Neugier auf dich konnte ich
wohl kaum verbergen. Na, und?
Manchmal, da hätte ich gern dein

Gesicht berührt, manchmal, da
warst du Sphinx, manchmal,
ein aufgeschlagenes Buch.
Bisweilen entflammte Lachen

leises Lodern in den Augen, und wir
rannten weit fort, fort auf fernere
Pfade für pilgernde Herzen und
kamen doch bald auf uns zurück.

Und es war, was es war, und wurde.
Du bist eine Frau und ich bin ein Mann.
Was sonst, das reicht schon für einen
Abend und vielleicht auch mehr. Ein

tastender Tanz, behende bemüht,
nicht auf Füße zu treten, verwebt mit
Bildern, Zwischen Töne, im Raum:
ein Faden zwischen Herzen.

(s)

Mittwoch, 4. August 2010

STERNE DER NACHT

Als ich dich traf auf jenem Fest,
sah ich das Mädchen in dir und
auch die Frau. Wir tanzten wild
und ausgelassen, die Augen
sprühten Wunderkerzen. Ich
 
wollte dich, und du auch mich,
wir wollten uns. Zwischen der
Atemlosigkeit des archaischen
Tanzes spielten Blicke, Lippen
das uralte Spiel des Erkennens.
 
Mit der Dämmerung fanden wir
den Weg in den Morgen. Die
Wälder, Berge und leere Straßen
gehörten ganz uns. Am Waldbach
liebten wir uns im Licht der ersten
 
Sonnenstrahlen. Ich erkannte dich,
im Wirbelstrom der Lust, deine
Anmut, den Glanz im Morgentau,
dem all die Sterne der Nacht ihr
wissendes Lächeln schenkten.
 
Dann trennten sich unsere Wege,
die Küsse wollten nicht enden.
Ganz weich und wohlig fuhr ich
zurück in meine ferne Heimat.
Heute sprachen wir am Telefon
 
und mein Herz hüpfte vor Freude.
Träumten von unserem Wiedersehen.
Jetzt strahlt mein Herz und singt dir
laute Liebeslieder. Die Sterne der
Nacht strahlen nun auch am Tage.

(s)



Mittwoch, 7. Juli 2010

ALLES ZU VIEL

Ein rastloser Blick. Zwischen jedem Atemzug.
Dein süßer Mund macht sich auf den Weg zur
nächsten Erzählung, die du “Erklärung” nennst:

Da ist das Leben, da sind du und dein Leben, da
ist irgendwo, unerreichbar am Rand, auch die
Liebe, da bin irgendwo auch ich, der so gar nicht

zu dir passt, zu dir und deinem Plan vom Leben,
ist doch alles so viel, alles zu viel. Der mit dir schläft
in Honignächten, so tief und wild, so viel, zu viel.

Mit einem seufzenden “ach, ich weiß auch nicht!”
schließt das nächste Kapitel, landet in einem
fragenden Lächeln, ohne Antwort zu suchen.

Im Augenblick solch Schweigens entzückt mich
dein fester Mund, der ohne Worte bleibt und “Küss
mich!” ruft. Küsse ich dich, schmeckt jeder Kuss

so süß wie eine dunkle Kirsche in Juni. Alles so
viel, alles zu viel. Ja, fremde Frau, bisweilen schaue
ich dich an wie ein seltenes Tier, verzaubert, neugierig.

Ja, Geliebte, wenn wir uns küssen, uns schmecken,
uns spüren, dann finden wir Erklärung und brauchen
keine Worte mehr. Doch alles ist so viel, alles zu viel.

(l)

Montag, 5. Juli 2010

BLÜTEN

Der Geist deiner Worte, das stumme Versprechen
unmerklich lächelnder Lippen, auch das warst du.
Schaute ich doch tief die Angst, die Trauer, in

dieser ach so makellosen Körperhülle. Den Krieg
der Geschlechter kämpften wir ebenso wie wir
die Augenblicke von Glück und Frieden lebten.

Du warst die Frau. Mit dir versank ich in tiefste
Tiefen des Eros, dort, wo es keine Helden mehr
gibt, nur Getriebene im Mahlstrom der Seele.

Hineingezogen bis auf den Grund, ausgespuckt,
verwirrt, suchten die Egos nach Halt. Jetzt schweigen
wir. Gelähmt und stumm. Von den Ruinen der

Erinnerung falle ich ins kalte Tal der Sprachlosigkeit.
Liebe, zu kurz gelebt, zu kräftig gewachsen, zu lang
bezweifelt, ließ mich wund, kalt und fröstelnd zurück.

Wortnetze, zu grob angesichts wilder Wasser,
Bahnhof, den kein Zug mehr nutzt, auf den Gleisen
abgerissen Blüten, die gnadenlos vertrocknen.

(n)

Donnerstag, 18. März 2010

DIE WINDSBRAUT

Zu Oskar Kokoschkas gleichnamigem Gemälde

Gefangen im gewaltigsten Orkan:
ozeanisch, dies wirbelnde Blau,
Dämonenhimmel in Aufruhr:
Ein Mann und eine Frau.

Dort liegen sie miteinander,
liegen nah und fremd und fern
und tragisch. Dort die Frau,
friedlich schläft sie, glatt

und ruhig und ganz inmitten all
des Aufruhrs. Und du Mann? Du Mann
an ihrer Seite? Erstarrt bist du,
erstarrt in in Schreck und Angst,

verloren wirkst du, Mann, verloren
und gefangen, zerrissen, zerschnitten,
zerweht ... mit Kraft sperrst du das
Feuer ein in deiner Brust, das Feuer

der Sehnsucht, hältst es verschlossen
für den Preis deiner Schlaflosigkeit:
denn die Dämonen, die du im Außen
siehst, wirken in Wahrheit in dir selbst.

Augen blicken Blicke des Schreckens,
schreien stumm die Panik eines
Ertrinkenden im verschlingenden Meer,
und die Totenstarre dieser Liebesnacht

lässt ihn stumm und schlaflos. "Da bist
du, du Schwärze, du Abgrund der Nacht,
und ich finde keinen Frieden. Wo bist du,
Nacht, mit deinem schwarzen Friedenstuch,

das sonst alles zu heilen vermag? Wo bist
du Zeit, Welt und Vernunft, die stets mir
den Weg wiesen? Seht doch, wie ich untergehe,
gedankenverloren, im All-Blau dieser Frau!"

Doch die Nacht antwortet nicht und auch
nicht die Frau. Verliere dich, Windsbräutigam,
verliere Welt, Zeit und Verstand für solch
eine Nacht, und du hast dich gefunden!

(l)


'Bride of the Wind', oil on canvas painting by Oskar Kokoschka, a self-portrait expressing his unrequited love for Alma Mahler (widow of composer Gustav Mahler), 1913.jpg

Sonntag, 17. Januar 2010

DIE GANZE WAHRHEIT

Wünschte, alle Rosen dieser
Welt auf deine Wege zu streuen,
wo immer sie dich hinführen.

Wünschte, alle Liebeslieder dieser
Welt in einem Lied dir zu singen,
laut wie Donner und still wie Schnee.

Wünschte, dir mit einem Blick
die ganze Wahrheit zu erzählen,
die Wahrheit der Liebe Adams
zur Frau. So bin ich. Nur.
In dir: So wunschlos, Adam.

(m)

Samstag, 16. Januar 2010

WOLLTE IMMER NUR DEIN HERZ

Erst saßen wir uns gegenüber.
Blickten ungläubig. Über das
Glas Wein gebeugte Fremde
heute, sprachen wir über gestern,

über Freunde, über lebende und
tote. Auch ein wenig über unsere
Liebe damals. Vieles war
vergessen. Zu lange her. Zu lang.

Ein wenig Wiedererkennen blitzte
auf mit deinem Lachen, regte mein
Herz. Dornenhecke, die uns trennte,
hoch erwachsen in all den Jahren.

Schließlich warst du nicht
Dornröschen. Sprachst mit mir,
fremde Frau, Jugendliebe, wach
und klug und fröhlich. Die

Sehnsucht in deinen Augen
war verhangen mit Schleiern
 - und dein Herz dahinter
flackerte in falber Ferne.

Dann saßen wir nebeneinander.
Blicke griffen. Tiefer und Tiefer.
Suchten dein Herz, hinter all dem
Schmerz, dem Gestein, dem Geröll

gelebten Lebens. Fanden es, für
einen  Augenblick, und alles war
gut. Geschah. Einfach. Dann
öffnete dich dein Blick, und ich

fand dich, fand dich wieder. So
fandest du mich. Blicke, die
bannten, Lichtfäden, die über
die Grenzen des Verstehens

hinaus uns aneinander fesselten.
Jene längst vergessene Asche gebar
Glut, gebar Feuer, verbrannte
triumphierend des Willens Neige.

Dann lagen wir uns in den Armen.
Verschlungen verschlangen wir uns
in Küssen. Die schmeckten fremd
nach all den Jahren, all diesen

langen, langen Jahren. Der süße
Geschmack deiner Jugend war
verblasst hinter dem Schleier aus
Rotwein, Tabak und dem Bittersaft

des Lebens. Mit jedem Kuss
gewann  dein Mund die
alte Süße neu, vermischt mit
seligen Tränen. So tauchten wir

unter und wieder auf, schüttelten uns
wie frierende Katzen, die ins Wasser
gefallen waren. Suchten Wärme, Körper,
fanden sie, ohne die Hast der Jugend.

Dann lagen wir nackt im Bett.
Erkannte dich wieder, endlich, in
deiner Umarmung. Da warst du,
mein Mädchen von damals, aus

fast vergessenen Tagen, die niemand
zurück zu bringen vermag. Da warst
du wieder, meine Wildkatze, mit
verborgenen Krallen und betörendem

Honigmund. So berührtest du mein
Herz, so tief, so heiß, so süß.
Verströmten wir uns schamlos,
bald, Morgentau im Sonnenlicht.

Dann liebten wir uns mit ganzem Leib.
Unwetter, Sturm und Regen. Mein
Herz jubiliierte, Leib zerstieb, Lust
zerriss mich fast in deinen Armen.

Fand ich es damals, nicht wissend,
was ich suchte, fand ich es heute
wieder und neu: Ich wollte immer
nur dein Herz. Wollte immer nur

dein Herz. Suchte es all diese Jahre.
Immer nur dein Herz. - Jetzt bin ich
fort, weit fort. Trage Schleier vor der
Sehnsucht meiner Augen, Schleier

aus Tränen. Will nur noch eines:
sie zerreissen. Für immer und ewig.
Im Heilraum dieser neuen alten Liebe.
Denn ich wollte immer nur dein Herz.

(l)


Freitag, 1. Januar 2010

BESEELT

Erschüttert von dieser Begegnung
denke ich an dich, kreise mit den
Gedanken um die Wahrheit meines
Herzens wie um den heißen Brei,
beschwöre die Weisheiten meiner
Lebenserfahrungen, wiege ab die
Klugheiten, Gewichte der Realitäten.

Tief berührt, beseelt, halte ich
Ausschau nach Erklärungen, die
die mich schadlos halten nach dem
Beben. Den Feuerlöscher der Vernunft
richte ich bebend in meinen Händen
aus und ziele nur daneben. Nein,
ich denke jetzt nicht an dich!

Haben wir beide doch geankert in
anderen Häfen. Geht es wieder einmal
auf das weite Meer? Lockt das Abenteuer,
ein neuer Kontinent? - Gestern glaubte
ich noch, meine Frau zu lieben, heute
habe ich in deiner Seele einen Diamanten
entdeckt. Was ist bloß los? Wird das die
Welt verändern, was mein Herz beseelt?

(s)

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Wildwasser Windsbraut Winkeln Wissen Wissens Wolkendecke Wollust Wände Wölfin Wünsche Zehen Zeiten Zeitlosigkeit Zeugen Ziel Zucken Zufall Zug Zweige Züge kleiner Tod Ästen Abende Abendregen Abends Abgrunds Abgrundtiefe Abschiedsweg Abschiedsweise Achtsamkeit Achtung Actiontrinker Aerodynamik Ahnungen Akmen Aladin Alchimie Alptraum Alten Altäre Altären Anbeginn Angesicht Anhaften Anhaftungen Anrufung Ansichtskarte Anzug Aphroditenhals Aquarell Argwohn Arm Astronaut Aufruhr Augenpaar Ausrede Autobahn Bach Balanceakt Balkon Balladen Ballon Ballsaal Ballsäle Bambus Banalität Band Baumwurzeln Beatrice Bedauern Begierde Bein Beine Belanglosigkeit Belege Bergen Bergsee Bergspitzen Berlin Bernsteinmond Bescherung Besessen Besuch Besucher Bettdecke Betttuch Beute Beutedurft Bewusstsein Beziehungsfragen Birke Bitterstoff Blech Blechkisten Blechlawinen Blei Blendwerk Blicks Blinde Blinden Blitze Blume Blutbahn Blutes Blutzoll Blättermeer Blättern Blütendach Blütenmeer Blütenzauber Bonusreviere 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