Liebeslyrik - Liebesgedichte - Liebespoesie

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foto: vkd

Freitag, 1. Dezember 2017

DIE LIEDER DES ORPHEUS II: DIE WEGE DER LIEBE - neue Version

PROLOG

Die Wege der Liebe, sie führen durch Licht und Schatten,
durch magische Landschaften, durch wirre Wetter.

In endlosen Ebenen, bei Sonne und Sturm, weisen
sie den Weg: über die Gipfel der Sehnsucht, durch die
Tiefen der Angst, dorthin, wo wilde Wasser schäumen.

Gnadenlos, sirenengleich, zerren sie, zerren in jenen
Mahlstrom, in das Dunkel des Unbewussten. Eine ganze
Welt, gerade noch erstrahlt in seligem Licht, verblasst.

Verdunkelt im Zorn der Eitelkeit, im Meer der Tränen.
die Wege der Liebe, sie schenken Glanzlichter, Märchen,
Freude, Gipfel erwachsender Lust. Enthüllen Abgründe,

die in Reichweite lauern wie gierige Giftschlangen.
verborgen im Schleier, den klaren Blick verhüllt,
bis dir Schuppen der Wahrheit von den Augen fallen:




BERGWANDERUNG

Deshalb: Beginne mit den kleinen Bergen.
Sie lehren dich alles. Jeder Berg fordert:

Gutes Schuhwerk, angemessene Kleidung,
beides gut besorgt und gepflegt, sonst
Fordert diese Reise schnell ihren Tribut.

Wähle mit Sorgfalt. Wenn du dich zu warm
anziehst, magst du zwar glauben, gut geschützt
zu sein vor allen Wettern, doch du wirst unbeweglich

und versteifst. Deine Wärme bleibt in dir, statt
nach Außen zu strahlen. Dann wirst du innen
brennen, aber außen keine Wärme schenken.

Wählst du aber deine Kleidung zu leicht, oder
gehst du gar ohne Kleidung, dann mag das zwar
für einen Garten Eden einstmals das rechte Outfit

gewesen sein, aber aus dem sind wir längst:
Vertriebene. Bedenke, wenn dir Leichtigkeit
im Sinn steht, dann wirst du nicht weit kommen

und schon in der ersten Nacht, wenn die Sonne nicht
mehr scheint, nur noch fortrennen, dich hoffnungslos
verirren oder verzweifelt anderen Pilgern anschließen.

Wenn du fragst nach der idealen Route, dann lautet die
Antwort: Sie existiert nicht, es gibt nur deinen eigenen
Weg. Die leise Stimme deines Herzens weist ihn.

Haushalte mit deinen Kräften. Ein erfahrener
Wanderer beginnt nicht mit dem höchsten Gipfel.
Wachsen Berge höher, achte gut auf deine Schritte.

Sei niemals achtlos. Stets brauchst du festen Tritt.
wisse um den richtigen Pfad, baue auf die Stimme
deines Herzens und nicht auf Claqueure und Sherpas.

Sei achtsam, der Weg führt vorbei an den tückischen
Schluchten alter Erfahrungen, verdrängten Schmerzes,
eitlen Besserwissens, all diesen aufgeblasenen Dämonen,

die dir Rüstung und Panzer versprechen, dich jedoch
gnadenlos hinabziehen in die Tiefe. Dein Gang
beginnt zu zagen, deine Beine zu zittern, halt ein!

Sprich mit dem Geliebten, sprich mit ihm über
deine Dämonen, deine Ängste und Zweifel.
Lausche andächtig den seinen. Seid zwei, nicht ein.

Plane kürzer, verlängere die Pausen, sing mit dem
Geliebten, tanz mit ihm, macht Liebe, nehmt euch
bei der Hand, baut einen Biwak, haltet euch ganz fest.

Auch Staub und Nebel verfliegen. Mag es einen Tag dauern
oder länger: Verstumme niemals, erstarre nicht, sonst wird
jeder für sich allein erfrieren in der Kälte des Schweigens.

Sprich mit den Einheimischen, mit den Vögeln, mit den
Bergziegen, sie kennen die Landschaft, sie lehren euch vieles,
wenn ihr still zuhört. Aber geht nicht zurück, es gibt keinen

bequemeren Weg. Sei achtsam in jedem Schritt, sei entspannt,
atme gut, lache, singe, tanze, liebe. Erfreue dein Herz an der
Schönheit der Geliebten, der Schönheit der Landschaft.

Vertraue dir selbst und vertraue deinem Geliebten.
Sei ganz und gar da, lausche der Stimme in dir,
dein Herz spricht leise, lass es singen, singe mit

deinem Geliebten. Trägt es doch die Weisheit und das
Wissen aller Herzen in sich, die jemals gegangen sind.
Benutze die Augen aller Herzen, die jemals lebten.

Wähle dein Ziel gut aus. Bedenke, dass die leichteren Gipfel
nur Übung sind für die schwierigen. Der Tag wird kommen, an
dem die Gnade augenblicklicher Glückseligkeit in dir lächelt.

Jeder Gipfel schenkt dir einen einzigartigen Ausblick, einen
Ausblick über die Welt, über die vollkommene Schönheit, die
Liebe, die die Schöpfung ist. Dann fühlst dich den Himmeln so nah.

Dann magst dich wie der Himmel selbst fühlen. Denn
all das sind die Wege der Liebe. Sie sind nicht nur wie
das Leben, sie sind die Wege zum Leben selbst.

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Mittwoch, 8. November 2017

LIEBESERKLÄRUNG II

Das, was ich denke,
hat nichts mit mir
zu tun. Ich bin nicht
meine Gedanken.

Das, was ich sage,
hat nichts mit mir
zu tun. Ich bin nicht
meine Worte.

Das, was ich singe,
hat nicht mit mir
zu tun. Ich bin nicht
meine Lieder.

Das, was ich tue,
hat alles mit mir
zu tun. Ich bin noch
nicht meine Liebe.

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Montag, 30. Oktober 2017

NACH DEM STURM

Was tun?
Was sagen?
Die Gesten erstarrt.
Die Worte verstummt.

Schweigen.
Nur Wahrheit
erfüllt den Raum,
den Raum zwischen uns.

Selig sind wir:
in Stille.
Des Herzens
Gewissheit

scheint auf
in diesem
Augenblick
von Liebe.

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Mittwoch, 20. September 2017

ODYSSEE

Da ist ein Ort, an dem die Augenblicke
des Lebens sich höhnisch versammeln,
wo sie flüstern oder stille Lieder singen.

Hier sitze ich, starre stur auf die Lektionen,
von Schmerz und Angst, von schnellen,
bitteren Urteilen. Die Fäden zwischen

den Herzen zerbarsten in mächtigem Sturm.
Wie oft schenkte ich Glauben den Lektionen
des Lebens: den Schatten, den Zäunen, der

strengen Enge! Wo manches Licht erstarb
in der Dunkelheit des Vergangenen.
Jeder Bahnhof erinnert mich. Züge, sie

fuhren in alle Welt, fern von Heimat.
So stehe ich dort, auf leerem Bahnsteig,
kein Mensch, kein Lächeln weit und breit.

Es pochen Erinnerungen und locken:
Fluten, Tiefen, uferlos, ohne Boden,
nächtliche Tänze unter fiebrigem Mond.

Hier singe ich, Lieder, Liebeslieder für jede
der Frauen, die in meinen Armen ich hielt.
Der Sirenengesang der Sehnsucht fesselte

an jene schwarze Masten des Vergangenen.
Doch halt: Ich atme, ich lebe, ich liebe!
So durchschlage ich den gordischen

Knoten: Es ist das Herz, das niemals
schweigt, niemals verstummt: Es singt.
Hier, jetzt. Singt es sein schönstes Lied.

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Samstag, 9. September 2017

DIE GANZE WELT

Das Leuchten im Kern meiner Zellen
Gilt dir, gilt dem Himmel, dem
Sonnenaufgang deines Lächelns,
im endlosen Äther, wolkenlos.

Es gilt der Süße, dem Tränensalz
auf unseren bebenden Lippen.
Ich sehe dich, sehe dich im goldenen
Laub, im wogenden Grünblau des

Waldbachs, in Lichtern und Schatten,
die mein Herz berühren und spiegeln.
Du, Schöne, die Sonne zwischen uns,
bliebe sie doch ewig, und jeder Schritt,

jeder Atemzug, so einzigartig wie ein
letzter, dem kein anderer mehr folgt.
Zeit und Raum, schattenlos,
vollendet durchflutet vom Licht,

Wo Fluss und Meer sich vermählen,
wo Schmerz und kalte Angst vergehen:
Im  Mahlstrom des einen Augenblicks,
wird diese Umarmung die ganze Welt.

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Freitag, 1. September 2017

HIER & DA

Da draußen:
Kein Gestern. Kein Morgen.
Wieder platzt die Show,
die Software voller Bugs,
und dann noch die Sonne, die
aufgeht, als sei nicht geschehen..

Da unten:
Ich tanze auf Trümmern.
Zerstampfe die Endlichkeit.
Im Schatten des Dunkels,
im Nebel der Worte, der
Zahlen, leeren Bedeutungen.

Hier drinnen:
Tief brennt ein Licht, bleibt.
Dies Licht in meinem Herzen,
erhellt jede Zelle, zittert –
kein Buchstabe, keine Zahl,
kein Algorithmus bleibt heil.

Hier und da:
Es ist das Licht, wenn
Herzen Sich erkennen,
und einen Augenblick
die Rose meiner Liebe
deine Ewigkeit berührt.

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Sonntag, 27. August 2017

IN DIESER UMARMUNG

In dieser Umarmung zittert der Irrwitz.
Die Dämonen der Hingabe und die
Hingabe der Dämonen tanzen Leben,
tönen hell im Dunkel heimlicher Fluten.

In dieser Umarmung flüstern wir laut.
Flüstern von den Narben getriebener
Herzen, den gebrochenen Flügeln,
die unverwandt den Himmel suchen.

In dieser Umarmung erkennen wir uns.
Wenden den Blick nicht ab, sehen die
Scham, die Lehrermeisterin der Schatten,
den Schmerz, das Feuer, die verborgene Asche.

In dieser Umarmung lächeln wir still.
Zwischen Atemzügen, als seien es die letzten.
Schaumgeborene und Odysseus, ankern,
Einen Augenblick nur auf der Irrfahrt der Liebe.

In dieser Umarmung erzählen wir uns
von dem, was bleibt, wenn alles verloren
erscheint, wenn der letzte Nebel der Eitelkeit
im tiefsten Blick von Wahrheit versinkt.

In dieser Umarmung greifen wir nach
den Sternen, nach dem Sommer mitten im
Winter. Sind ganz und gar selig, schwarzer
Sommersturm und weiße Stille des Waldes.

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Sonntag, 6. August 2017

DORNROSE

Hundert Jahre lähmt dich der
Fluch, der Fluch der bösen Fee.
Schenkte dir hundert Jahre Schlaf
und hundert Jahre Träume, Du, Selige.

Du makellose, beglückte Träumerin,
verborgen hinter Dornengestrüpp,
gefangen und geschützt dein Herz,
das hundert Jahre keinen Schmerz erfuhr.

Jetzt kämpfe ich. Wo andere verbluteten,
will ich siegen. Meine Klinge habe ich
hundert Jahre geschliffen, geschärft und
erprobt an hundert gesplitterten Spiegeln.

Mit einem einzigen Hieb werde ich
die Dornenhecke überwinden,
bis der Kuss des Lebens furchtlos
in der Rose unserer Herzen erwacht.

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Montag, 31. Juli 2017

HERZENSBLICK

Zwischen Atemzügen rasen die Tage,
Seifenblasenwolken, wild und wirr,
wehen dahin, betören, zerplatzen.
Der klare Gedanke versinkt im Nebel.

Das Gestern erhebt sich: ein mächtiger
Djinn wirft schwere Schatten, verdunkelt
das Jetzt. Des Narren Seele beweint das,
was war, und das, was nicht war.

Bilder von Gestern löschen kein Feuer,
sie entfachen es. Selig ein Herzensblick,
der bewegt. Er heilt. Sein Licht weist
manchen Weg, auch den mit dir.

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Sonntag, 9. Juli 2017

DER LETZTE ABSCHIED

Bald ist alles gesagt.
In einer Umarmung,
die Worte erstickt.

Ein letztes Mal, das
Licht deiner Augen.
Der Blick verweht.

Ein Stein sinkt in die
Tiefe. Still stehen
wir in wunder Zeit.

Stehen einen ewigen,
unwiderruflichen
Augenblick in Fluten,

im Mahlstrom von Trauer
und Liebe. Da ist so viel,
überwältigend viel davon.

Ich zittere. Trete den ersten
Schritt, fort von dir, vor den
Vorhang unserer Tränen.

Das letzte Bild von dir gräbt
sich ins Stakkato der Gefühle:
Ein Mal des Augenblicks.

Nach Ewigkeiten hebt sich
mein Blick. Ein Vogel
flattert auf, zum Himmel.

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Sonntag, 9. April 2017

NACHTIGALL

Die Nacht, verträumt im friedlichen Schweigen.
Dein Atem wogt sanft. In hohle Stille schallt
Das Lied der Nachtigall vor meinem Fenster.

Kündet Dämmerung und Glück des neuen Tages.
Sie singt mein Lied für dich, trunken vor Liebe.
Als kennte sie meines Herzens tiefste Wahrheit.


Sonntag, 2. April 2017

IM LICHT DIESES AUGENBLICKS

Zwischen Knospen und Gräbern wandeln wir.
Siebenmal dein Gesicht im Blättermeer,
siebenmal tropfen Tränen, vermischen sich,
rinnen, finden widerstandslos ihren Weg,
Unter die Haut, zurück in mein zitterndes Herz.

Es atmet, zaubert dein Lächeln in die Himmel,
den dämmernden Himmel, den stillen Himmel,
den blutroten Himmel, der schamhaft schweigt.
Die Nebelschwaden des Unwetters sind verweht,
Gespenstern gleich, die kein Gestern mehr kennen.

So stehen wir hier zwischen den Knospen und
Gräbern. Siebenmal drehen wir uns, siebenmal,
eng umschlungen. Unsere Blicke versinken in
Zeitlosigkeit. Ich erschrecke, so schön bist du!
So unsagbar schön im Licht dieses Augenblicks.

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Freitag, 24. Februar 2017

LIEDER DES ORPHEUS I: SINGE ORPHEUS SINGE, neue Version

Kinder der Universen, im heiligen Feuer
Geschmiedet aus Licht, Liebe und Blut.
Am Ende dieses Weges erwachsen, rot
Öffnen Blüten sich auf schwarzer Asche.

Ohnehin findet das Licht eines Herzens
Den Weg zurück. Hinter all die Universen,
die wir Menschen mit gierigen Waffen
Und Fahrzeugen nie besuchen werden.

Dazwischen liegen ein Leben, blutende
Wunden, mit Narben, mit Tränen, welche
Herzen verstählen. So zuckt eine Seele
Im Spiegel und vor Sehnsucht zugleich.

Was immer dich berührt, erweckt den
Januskopf deines Herzens: Wenn
Liebe dich ergreift, so erwacht auch
Höhnisch deine Furcht vor der Liebe.

Wie oft belächeln Eitelkeit und Stolz
spöttisch die Sehnsucht, die Wunden,
die du im anderen als Schwäche tadelst?
Wie oft beschämen Menschen ihres

Eigenen Herzens Stimme, wenn sie
Die Blicke stoisch nach außen richten,
niemals nach innen? Wie oft irren sie
im Labyrinth des Midas, weil sie des

Herzens leise Stimme nicht hören hinter
All dem Gedankenlärm? Sei gewiß:
Wie du zum Herzen des anderen bist,
so bist du zu deinem eigenen Herzen!

Wisse: Dort ist Heimat, hinter all den
Universen, und ihr gilt all dein Wähnen:
Heimat, aus der wir kamen, und zu der
Wir Gehen. Bedenke: Ohne die Lieder der

Liebe bist du nichts, bleibst heimatlos,
ein Leben lang. Drum singe Orpheus,
singe und spiele der Liebe deine schönsten
Lieder, sind sie doch Vorschein unserer Heimat.

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Mittwoch, 25. Januar 2017

LÄCHELN

In des Herzens Einklang
lächelt jeder Augenblick.
Auf ewiger Himmelsschaukel
schwingen wir, hin und her,
zwischen Licht und Schatten.

Liebkosen uns unter der Sonne,
unter Sternen. Sterbliche sind wir.
Berühren das Helle, das Dunkle
In den Landschaften der Seele
lädt ein Lächeln zum Tanz.

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Sonntag, 22. Januar 2017

BESTIMMUNG

Die Tage mit dir
Vergingen, in Licht
Und in Schatten. Wie
Oft kreisten wir, unruhig,
Um gepackte Koffer?

Hinter den Spiegeln,
Im Zwiegespräch der
Herzen, wuchsen Wurzeln,
still und unbemerkt, tief
In die Erde des Seins.

Ist die Frucht gereift,
in Licht und Schatten,
fällt sie, fällt zur Erde.
Dort ist sie ganz, was
Sie ist, in ihrem Kern:

Wesenheit, beseelt.
Hingegeben an Ihre
Bestimmung strahlt sie.
In jenem Augenblick
Erwacht die Liebe.

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Samstag, 7. Januar 2017

MUSIK, DIE NUR WIR HÖREN

Ich renne heim, meine Hand ertappt den Schleier
auf dem Weg der Herzen. Wenn seine Steine fallen,
zerspringen Spiegel und regnen Sternenschauer.

Die letzte Bühne bröckelt, lautlos. In der Süße
einhelliger Bedeutungslosigkeit verglüht das
Logbuch des Lebens. In der Hitze des Augenblicks:

Kein Nicken. Keine Arie. Kein Spiel. Nur ein letzter
Vorhang, der fällt. Mit einer Tür ins Haus, öffnet
sich alles, Licht gleißt, flutet der Sehnsucht Scham.

Ich nehme die Hände von meinen Augen, erkenne
den stillsten aller Engel, der du bist, nehme deine
Hände, und wir tanzen die Musik, die nur wir hören.

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Freitag, 30. Dezember 2016

WINTERTRÄUME

Jeder Alptraum
aus Gedanken endet
in einem Augenblick
von Stille und
jeder Traum
des Herzens erwacht
in einem Augenblick
von Liebe
erleuchtet
jeden Atemzug
am Winterhimmel.

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Sonntag, 18. Dezember 2016

ALLES WEICHT WEICH

Wenn ich dich an meiner
Seite spüre, du Schöne,
steigen Träume empor,
schillern, glimmen, zum
Himmel, höher und höher.

Steigen Träume empor,
wie die Sprechblasen
heroischer Comicfiguren,
wie der allmächtige Djinn
aus Aladins Flasche.

Die fragwürdigsten Gedanken
verfliegen. Die Melancholie des
Abends lichtet sich wie der Nebel
des Novembermorgens, den die
Sonne gelassen durchdringt.

So schmeckt das Leben, wenn ich
dich neben mir fühle. Alles weicht
weich. Nur der Augenblick verharrt,
der einzige, der selige Augenblick,
dich an meiner Seite zu spüren.

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Samstag, 10. Dezember 2016

WO LIEBE ERWACHT

Am dunklen Brunnen lausche ich
deinen Worten, sie plätschern dahin,
den Wassern gleich, die im Wildbach
murmeln, im Wald der Kinderträume.

Löschen sie das unerhörte Feuer, die
Worte, die Wasser? Selbst die Tränen
aus dem Schmerz der Ahnungen, tropfen
schwer und kühlen die Sehnsucht nicht.

So ertrinke ich fast in diesem Blick,
und gewahre Wahrheit, nackt, hinter
all den Worten, dem Plätschern, unten
im dunklen Brunnen, wo Liebe erwacht.

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Sonntag, 4. Dezember 2016

HERBSTBILD

Im Tal zwischen den Bergen,
die Blicke an Ferne, Gipfel
Kreuz und Himmel genagelt,
im Hinterland der großen Stadt,
Gehen wir diesen Scheideweg.

Ein wilder Fluss frisst sich
in drohliche Stille, er faucht,
er tobt, er flüstert das
Ungesagte in mein Ohr,
während wir schweigen.

Die Aura von Gletscherkälte
hüllt uns in fröstelnde Nähe.
Ich lege meinen Arm um
Deine Schultern und mein
Herz in Deine Hände.

Des Sommers Wärme hat sich
weit hinter die Berge verkrochen,
welkes Herbstlaub unter den
Schritten, auf fernen Gipfeln
glänzt in der Sonne der Schnee.

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Sonntag, 27. November 2016

GOTTTESGESCHENK

Im Augenblick die Lider heben, aufwachen, engumschlungen,
Träume, Küsse tauschen, flüstern, dein Morgengesicht zwischen
den Händen. Das Gottesgeschenk, deine Lippen tiefrot zu Küssen.

Das Gottesgeschenk eines aufreizenden Tages, das Gottesgeschenk
des Sonnenlichts, das dein Engelshaar noch ein Quentchen heller
erstrahlen lässt im elysischen Augenblick unsterblicher Liebe.

Das Gottesgeschenk meiner Augen, die sich nicht sattsehen
an deiner Anmut. Das Gottesgeschenk der Luft, die wir atmen,
des Friedens, den wir leben, an diesem Tag unter Gottes Hand.

Das Gottesgeschenk der Liebe, die in meinem Herzen brennt, für
dich, für diesen Tag, für jeden Augenblick, für die Freiheit zu fühlen,
was Sinne und Herz berührt: für das Gottesgeschenk dieses Lebens.

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Mittwoch, 23. November 2016

HERBSTLIED

In der Neige des Herbstes
stehen sie noch in Flammen,
die Wälder. Die Erde leuchtet,
und der Himmel ergraut.

Die Schatten der Wanderer
wachsen flugs auf dem Pfad
der Suchenden. Stets emsig
rasten wir am See. - Stille.

Im Spiegel des Wassers
erkenne ich die letzte Blüte,
die der Sommer gelassen hat.
Es ist dein Gesicht, du Schöne.

Dein Lächeln, die Gesten hinter
Worten, jene sprachlose Süße
vereint, vereint sie alle: Feuer
und Wasser, Himmel und Erde.

Foto: vkd

Donnerstag, 17. November 2016

OHNE ENDE

Jedes Lied klingt traurig,
wenn das Ende naht.
Wie eine Diebesbande
Schleicht es sich heran.

In unbewachten Augenblicken
erstarren die Worte,
erstarren die Blicke,
erstarrren die Gesten.

Bisweilen bist du da
und auch wieder nicht.
Bisweilen bin ich da
und auch wieder nicht.

Sag, wo sind wir denn?
Beieinander und so fremd!
Die Kühle jeder Berührung
kommt aus der Ferne.

Aus der Ferne des Raums,
des kalten Alls, wo still
Kometen schweben. Kein
Glimmermeer der Sterne?

Ich fühle meine Tränen.
Ein Glitzern in deinem
Augen, ein Glitzern der
Sterne, Sternenstaub,

der uns berührt. Ferne wird
zur Nähe. Nur ein Augenblick:
Und wir weinen gemeinsam
diese Tränen ohne Ende.


Foto: vkd

Sonntag, 13. November 2016

MEINE LIEBE

I.

Irgendwann stolperte ich
über dich, mit achtlosen Füßen,
auf der Flucht vor mir selbst.

Irgendwann verliebte ich mich
in deine sündhaften Blicke,
deine auflodernde Zerrissenheit.

Ich hielt ich dich in  meinen Armen,
wenn es brannte in dir und hielt
Dich, wenn das Feuer erlosch.

So wuchs unsere Liebe empor,
doch ihre Wurzeln verankerten
Sich tief im Boden des Ego.

Am Ende fanden wir nur einen
Augenblick der Zerrissenheit.
Die Sterntaler des zerfetzten Briefes

Rieselten endlos aus dem Fenster,
du zwischen weichen Tränen und wildem
Lachen, die achtlosen Schuhe vor der Tür.


II.

Die Hoffnung schweigt, schweigt zwischen
zwei Worten, der letzte Blick, bevor die
Tür sich schließt, wankt in die Leere.

Das Kettenkarussell der Gedanken bohrt
höhnisch sich in mein Herz. Ich sehe nichts
mehr, was mich nicht an dich erinnert.


III.

Morgen wird meine Liebe im Lied des
Vogels erwachen, der vor deinem Fenster
Singt, in jedem Regentropfen, der dich berührt.

Foto: vkd

Freitag, 11. November 2016

WELLEN

Wie alles, vergehen sie, die blauen Nächte,
die Nächte der Küsse, die Nächte der Tänze,
die Honignächte. In denen wir, winzige Blasen,

Gehüllt in rote Membrane, wieder und wieder,
von der Erde zum Himmel aufsteigen. Aufsteigen
in die Glut der Sonnen, in die Kälte des Kosmos.

Hier und heute sind wir, sind wir ganz, sind wir
Liebende. Betten uns auf Himmelsmoos. Umarmen
uns endlos im Schatten des verblassenden Mondes.

1000 Küsse später erfrischt der kühle Morgentau
die müden Lippen. Das leise Zittern deiner Haut
verinnt in sanften Wellen am Ufer meines Leibes.

Sie machen mich still, selig und dankbar, die Wellen.
Gottes Geschenk, das sind sie, das bist du. So viele
Mysterien, Geliebte, beglücken den Augenblick mit dir!

Foto: vkd

Sonntag, 6. November 2016

FENSTER

An das verschlossene Fenster
meines Herzens klopfte die Zeit.
Wieder und wieder: vergeblich.
Die schüttelte es, ließ es erzittern.
Doch starr hielt es stand, trotzte,
trotzte den sanften Winden der Träume,
den wildesten Stürmen der Leidenschaft.

Als du dann an mein Leben rücktest,
du, mit deinem Morgensonnenlächeln,
das jeden Schatten der Seele erhellt,
da erstrahlte auch mein Herz. Erstrahlte
so gleißend hell, als gäbe es keine
geschlossenen Fenstern mehr auf
dieser ganzen wundervollen Welt.

Foto: vkd

Samstag, 5. November 2016

WILDEN HERZENS

Erwachen.
Im Liebesfeuer:
Kind, Freude,
nächtliche Tänze ...

Nicht wissen,
wann die Reise
dieses Schiffes endet,
nichts wissen,
alles vergessen.

Auf dem Deck
sich schwindlig
drehen, lachen,
im Reigen
unter Goldhimmeln
Atemlos,
wilden Herzens,
in Arme sinken,
in  Sterne starren.

Erstrahlen in dir,
einem Kometen gleich
versinken
in Inbrunst.
Der Augenblick
flüstert
sein heiliges
Geheimnis
in mein Ohr.

Foto: vkd


Sonntag, 30. Oktober 2016

EINEN SCHRITT VORAUS

Draußen der Regen
klopft an das Glas
Auf der Flucht
vor dem Wind.
Es zittert. Angst
zu zerspringen.
Mein Herz ist
einen Schritt voraus.
Es zerspringt fast
vor Glück. Du kriechst
noch ein Stück näher
unter meine Decke.

Foto: vkd

Freitag, 21. Oktober 2016

SCHÖNE IM HERZEN

Du, Schöne im Herzen,
selbst den dunkelsten Raum
erhellst du mit deinem Licht,
angesichts des Augenblicks,
in dem wir uns begegnen.

Wenn wir uns begegnen
An den heiligen Ufern,
an den heilenden Ufern,
an den Ufern der Meere,
der Meere tief in uns.

Tief in uns die Meere der
Gnade, die göttlichen Meere,
die ewigen Meere. Dort,
sind Gott und Liebe vereint,
selig im Tanz der Seelen.



Sonntag, 16. Oktober 2016

NACHT DER WÖLFE II

Da war die Nacht,
da waren du und ich,
die fanden sich und
Frieden mit dem Tag.

Da war die Nacht,
da waren du und ich,
und wir erkannten uns
unter dem Bernsteinmond.

Liebestrunken, Priesterin
und Priester, knieten wir
vor brennenden Altären
in dionysischer Andacht.

Zieh mich, zieh mich tief,
in archaische Weiten, wo
die Augen von Wolf und
Wölfin nächtens erglühen.

Versinken will ich, tief und
tiefer, in mystischen Räumen,
mich verlieren, du scheues,
wildes Tier, in deinem Honigduft.

In dieser Nacht, unter
dem einen Bernsteinmond,
dieser mystischen Nacht,
dieser Nacht der Wölfe.

Foto: pixabay
 

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