Liebeslyrik - Liebesgedichte - Liebespoesie

Liebeslyrik - Liebesgedichte - Liebespoesie
foto: vkd

Donnerstag, 30. Juni 2011

SPIEGELTÄNZE

Wenn du vor dem Spiegel stehst, dich
anblickst, deine Seidenhaut berührst,
deiner Schönheit dein schönstes Lächeln
schenkst: dann möchte ich dein Spiegel

sein und zurück lächeln. Lächeln mit
wilden Jungenlächeln. Hach, da wär
ich der glücklichste Prinz im Königreich!

Wenn du nach deiner Krone greifst, sie
vom Kopf nimmst, in den Schoß legst,
um dir eine wirre Strähne aus dem Haar
zu streichen, dann möchte ich deine Krone

sein. Dein Schoß wird unser Königreich.
So tanzen wir, Prinzessin und Prinz, die
Spiegeltänze im Zauberschloß der Liebe.

(m)

Mittwoch, 29. Juni 2011

WURZELN

Die Reise auf seliger Welle
führt mich in heilige Stille, dort
unten in den tiefsten Höhlen,
Räume, die kein Mensch je betrat.

Dort unten, wo weder Sonne noch
Mond den Weg weisen, wo der Tag
die Nacht und die Nacht der Tag ist,
treffen wir uns für einen Augenblick.

In dem ist Erkennen, in dem ist
Liebe, in dem ist nackt das Sein,
ohne Bedingung, ohne Wenn und
Aber, dort sind nur du und ich.

Da sind du und ich und die Stille,
da sind du und ich und das Sein.
Da ist die Tiefe, da sind zärtliche
Wurzeln, geformt zu stolzen Stalaktiten,

Wurzeln vom Baum der Erkenntnis,
die hinabreichen in alle Abgründe in
mir, in dir und zwischen uns. So verneige
ich mich demütig vor der Tiefe Stille.

(m)

Montag, 27. Juni 2011

SÜSSE

Die Süße deiner Lippen brennt
Phantasmen in mein Hirn. Das
triumphiert, das umkreist eitel
mein Herz, das taumelt, ein Satellit,
blind geworfen aus vertrauter Bahn.

Die Süße deiner Lippen lässt
Finger zittern, entflammt mein
Becken, das brachial zur Sonne
drängt, Dädalus und Ikarus im
Azurhimmel, Weg im freien Fall.

Die Süße deiner Lippen zaubert
Spuren, spinnt Fäden, farbverzückt,
wie ein Sommertag auf tropischer
Insel. Meine Füße berühren die Erde
in zärtlicher Geste mit jedem Schritt.

(s)

Montag, 20. Juni 2011

DEINE SCHÖNSTEN LIEDER

Leise zittert es in meinen unsichtbaren Tiefen
und unsere Augenblicke flüstern Verheißungen
in jener Sprache, die keiner Worte bedarf.

Alte Freunde im Regen treffen, neue in der
Sonne Schein. Das Leben in seinen Facetten,
kannst du es fühlen, unvergiftet, im Augenblick?

Renne mit mir die Häuserwände hoch, schwebe
mit mir unter den Stuckdecken, verkrieche dich
mit mir im Raum zwischen Fundament und Erde.

Sprich mit mir die Bibliotheken unselig, töte mit
mir die Ethik der Räucherstäbchen und starren
Augen, lausche den Worten, die nur einmal gesagt,

den Liedern, die nur einmal gesungen werden.
Wie kannst du so wunderschön dort stehen, ohne
geküsst und geliebt zu sein? Verstecke dich nicht

hinter deinem scheuen Lächeln, lass dich in meine
Arme sinken. Vertraue meinem Licht, es wird dich
führen und deine schönsten Lieder dir entlocken.

(m)

Samstag, 18. Juni 2011

KÄPT'N EROS

Heute Nacht müdet die Hitze.
Käpt'n Eros peitscht, Blitz aus
heiterem Himmel, mein Begehren,
rumort in der Tiefsee, erweckt
Fabelwesen aus der Dunkelheit.

Heute Nacht tanze ich mit dir
wilde Tänze zum Donnergrollen,
im Blitzlicht deiner Schönheit.
Berühre dich mit tausend Händen,
ganz nackt und ohne Handschuh.

Heute Nacht steigt ein Djinn empor,
erfüllt mit lüsternen Wünschen jeden
Raum, überschreitet jede Grenze.
Wild und fest schlägt das Raubtier
die Krallen in die Beute des Begehrens.

Heute Nacht sollst du meine Gefährtin
sein, Beute, Raubtier, Hexe auf dem
Besen des Djinn. Heute Nacht lass
uns Jäger und Gejagte sein, bis das
kühle Grau des Morgen diese Hitze heilt.

(s)

Freitag, 17. Juni 2011

DER VOLLKOMMENE AUGENBLICK

Ein Sonnenlichttanz auf der Oberfläche des
sirrenden Sees, so glitzert Licht: In jedem
Schweißtropfen deiner Haut. Blendet den

Gedankenflug, so nah und hell bist du mir
in diesem seligen Augenblick. Im kleinen
Tod des Egos. Du und ich atmen Liebe.

Wir brauchen keine Engel, keine Götter,
keine Orakel. Ganz, unendlich, grenzenlos,
dieser eine Augenblick sprachloser Liebe.

Dieser vollkommene Augenblick. In dem
uns das Wunder des Herzens berührt,
atmen wir im Herzen des Wunders: Leben.

(s)

Freitag, 10. Juni 2011

DASS ES LEBEN IST

Schlafen, aufwachen, fliegen auf den Zeigern
der Uhr, um sicher zu sein, dass es Leben ist.
Schlafen, aufwachen, tanzen im Schatten der

Sonne, um zu vergessen, dass es Leben ist.
Schlafen, aufwachen, demütig niederknien vor
der Liebe, um zu erkennen, dass es Leben ist.

Erwachen in jedes Herzens Flamme, die jemals
strahlte in diese Welt, die jemals flüsterte im Echo
der Tage, im Licht des Mondes, im Schatten der

Sonne. Erwachen im Augenblick ohne Gestern
und Morgen, im Zeichen der zeitlosen Brücken,
der grenzenlosen Netze, in der Liebe kosmischem

Mahlstrom, im Kern der glückseligen Spirale,
dem Urgrund von Leere und Stille, wo du dem
Leben, nicht dem Überleben, ins Auge blickst.

Dort will ich mit dir sein, Geliebte, an jenem
Tag, an dem wir erwachen, an dem wir tanzen,
und im Licht der Sonne in Liebe niederknien.

(m)

Dienstag, 7. Juni 2011

SCHWARZE STADT

Der letzte Kuss klingt auf meinen Lippen:
ein Lied, ein Ohrwurm, ein endloses Echo,
ein Licht in meinen Zellen. Ich habe dich

erkannt und so tief geschaut, ich gehe
meinen Weg unter dem Geigenhimmel.
Liebe ist der perfekte Ton auf der Violine

der Tagträume. Seit ich in dein Herz sah,
Geliebte, glitzern Glühwürmchen am blauen
Himmel und Eichhörnchen geben mir heimliche

Zeichen. Wenn die Abendschatten im Dunkel
versinken, schwebe ich durch die schwarze
Stadt und Sehnsucht erhellt meine Wege.

(s)

Sonntag, 5. Juni 2011

BRÜCKE UND FLOSS

Heute früh baue ich eine
Brücke über den Fluß.
Über den Fluß hin zu dir,
damit die Krokodile mich

nicht fressen. Am Mittag
will ich dich nehmen unter
flirrendem Himmel im heißen
Sand. Alles sollst du mir sein.

Im Feuer der Liebe will
ich verbrennen mit dir
wie die Motten im Licht,
die kein Morgen kennen.

Am Abend baue ich ein
Floß, das trägt mich weit
über den Fluß ins Meer.
Am Abend singe ich mein

schönstes Lied. Dann winke
ich dir zu, bis ich ganz klein
und fern dir bin. Dann gebe
ich mich ganz der Strömung

hin. Sie trägt mich fort von
dir, fort ins wilde Meer. Dort
tosen alle Winde und mit
ganzer Kraft halte ich das

Floß auf Kurs. Die Winde
und die Wellen machen
mich wilder und reich wird
der Fang. Mit dem kehre

ich heim. Zum Honigmond
kehre heim zu dir. Es lächeln
die Sterne und die Krokodile,
ganz hell lacht auch mein Herz.

(s)

Samstag, 4. Juni 2011

EIN NEUER TAG

Im Sommer träume ich
von Schneelandschaften
und im Winter von den
Kirschblüten. Nur, wenn

ich in deine Augen sehe,
bin ich ganz bei mir und
auch bei dir. Ich sehe den
Tag am Tag und die Nacht

in der Nacht. Tanz um Tanz
erkenne ich dich, erkenne
meine Tiefe, und deine noch
dazu. So erkennen wir uns

im Walzer der Liebe, im
Tarantella der Dämonen, im
Rock 'n Roll der Ekstase,
wie ein neuer Tag beginnt.

(m)

Donnerstag, 2. Juni 2011

GAUKLERIN

Du bist schön und voller Charme,
deine Seele quillt über vor Zukunft.
Dein Lächeln und das Strahlen deiner

Augen lässt die Motten des Begehrens
traumeln wie eine nächtliche Laterne in
der Weite der Landschaft. Doch einsam

bist du und voller Scham. Suchst in deinen
Träumen die größte Liebe unter dem Zelt
der Sterne. Du suchst und suchst, nur nicht

dich selbst. Der Sog deiner Sehnsucht lockt
in jeder deiner Gesten. Sein Anblick tut weh.
Du siehst das Äußerste, watest garstig in

den Begriffen der Schuld: Kokett inszenierst
du deine eigene Unschuld und die Schuld aller
anderen, du neunmalkluges dummes Kind.

So vergeht die Zeit, so vergehen die Jahre.
Es sind deine Jahre, es ist dein Leben. Schöne,
bist du doch Gauklerin deines eigenen Lebens!

(n)

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